m t Gemeinnütziger Verein zur
Förderung erweiterter 
Therapieformen für
krebskranke, chronisch
erkrankte und
frühgeborene Kinder e.V.

Home
Wir stellen uns vor
So helfen wir
So können Sie helfen
Informationen
Termine
Mediathek
Sponsoren
Kontakt
Impressum



SEMINAR „LEBENSWELTEN: DIESSEITS – JENSEITS“ –
EIN PERSÖNLICHER RÜCKBLICK, DER ERMUTIGEN SOLL

Neben der Anregung und Unterstützung der konkreten therapeutischen Arbeit mit chronisch kranken Kindern auf der Station und z.B: auch den therapeutischen Freizeiten hat es sich der Sterntaler e. V. als Eltern-Verein schon recht früh auch zur Aufgabe gemacht, denjenigen Familien, die trotz aller Bemühungen und Fortschritte der Medizin ihr Kind in den Tod begleiten mussten, Angebote in der Bearbeitung dieses oft sehr traumatischen Erlebnisses zu machen. So finden seit vielen Jahren regelmäßig "Seminare" für verwaiste Eltern statt. Meist sind dies ganze Wochenenden, in denen betroffene Familien unter Begleitung durch einen Kinderarzt, einen Kunsttherapeuten und einer Erzieherin sich mit einem mit dem Tod des Kindes in Zusammenhang stehenden Thema beschäftigen. Die Herangehensweise an das Thema ist oft recht spontan und beinhaltet Elemente der Naturbetrachtung, der künstlerischen Darstellung, des Gespräches und vieles mehr. Ziel dieser Seminare ist es immer, Räume zu schaffen, in denen Emotionen aller Art unbewertet Platz haben dürfen. Der Austausch gemachter Erfahrungen unter Betroffenen ist ein wesentliches Element. Nachfolgend ein Erfahrungs-Bericht zweier Teilnehmerinnen zu einem der letzten Seminare. Das nächste Wochenende für verwaiste Familien findet statt vom 27. bis 29. Oktober 2006 in der Jugendbildungsstätte Wittbräucke in Herdecke.

Einige machte bereits die Einladung neugierig. Andere wurden durch das Thema angesprochen. Wiederum andere durch die Menschen, die zum Seminar eingeladen hatten und die aus dem Kinderhaus bekannt waren. Bei einigen musste „Überzeugungsarbeit“ geleistet werden, so auch bei unserem 17- jährigen Sohn. Schließlich folgten zwanzig Erwachsene und sieben Kinder der Einladung des Fördervereins Sterntaler e.V. zu dem Seminarwochenende für Angehörige verstorbener Kinder vom 5. bis 7. November 2004 in der Jugendbildungsstätte Wittbräucke in Herdecke.

Mulmig war es uns schon – so in der Magengegend – weil wir nicht wussten, was uns erwartete. Mit viel Feingefühl für diese Situation gestaltete ein erfahrenes Team dieses Wochenende. Es musste kein „Programm“ abgearbeitet werden – darüber waren wir alle froh. Nein – ganz im Gegenteil. Monika Jamnig (Erzieherin) kümmerte sich herzlich um unsere Kinder. Wir hatten dadurch Zeit und Ruhe für intensive Gespräche in der Gruppe. Dr. Alfred Längler (Kinderarzt und Onkologe) zeigte viel Einfühlungsvermögen, diese anzuregen und Gedanken aufzugreifen. Ulli Kleinrath (Kunsttherapeut) entführte uns in die Welt der Farben und des Lichtes. Sich hier einfinden und sich ausdrücken können, war sein Angebot an uns. Über die gemeinsame Gestaltung von einfachen Wassergläsern, beklebt mit transparentem Seidenpapier, kamen wir bereits am ersten Abend ins Gespräch. Um eine große Kerze herum wurden in unseren „Glasobjekten“ Lichter entzündet. Es war bewegend, denn im Schein der Lichter lauschten wir den Gedanken, die jeder, der wollte, äußern konnte. Dabei stellten wir schnell fest, dass wir mit unterschiedlichen Stimmungen, Gefühlen und Einstellungen gekommen waren. Trotzdem haben wir aber alle eine gemeinsame Erfahrung. Wir Eltern haben ein Kind, die Geschwister eine Schwester oder einen Bruder verloren. Dieses gemeinsame Schicksal verbindet uns auf eine besondere Art und Weise.

Wir haben uns sehr viel Zeit genommen, vom Leben und Sterben unserer Kinder zu erzählen. Das tat gut. Diese Stunden waren geprägt von Nähe und Mitgefühl. Auch leise Stimmen fanden Ohren, die zuhörten. Einige erzählten ausführlicher, andere fassten sich eher kurz. Jede Geschichte berührte uns tief. Vielen wurden Parallelen zur eigenen Geschichte deutlich. Die Ohnmacht, dem eigenen Kind nicht helfen zu können, der „Gerätemedizin“ ausgeliefert zu sein und sich von Ärzten fremd bestimmt zu fühlen, kannten die meisten von uns durch diverse Aufenthalte in Kliniken. Manchmal hilft die Medizin nicht. Unsere Kinder haben durch ihre Krankheit Weisheit, Größe und Stärke erlangt. Auch diese Wahrnehmung hat viele Eltern verbunden. Wir sind dankbar, dass wir in den Pflegenden des Gemeinschaftskrankenhauses Menschen gefunden haben, die unsere Kinder auf ihrem besonderen Weg begleitet haben. Wir spüren Verbundenheit und Verpflichtung uns Eltern und den Geschwisterkindern gegenüber, auch heute immer noch da zu sein, um Wege aufzuzeigen, das gemeinsam Erlebte zu verarbeiten. Keine Selbstverständlichkeit an anderen Kliniken und im medizinischen Alltag!

In unserem Alltag sind wir keine „normalen“ Familien. Es gibt häufig im privaten Umfeld niemanden, der unser Schicksal teilt. Wir sind Außenseiter geworden. Trotz des Mitgefühls unserer Umwelt sind Ängste und Unsicherheiten in der Begegnung mit uns zu spüren. An diesem Wochenende waren wir „normal“. Wir waren in derselben Situation. Ob wir lachten oder weinten, redeten und schwiegen, niemand war wegen unseres Verhaltens irritiert. Unsere Trauer hatte einen Raum und wurde getragen. Ein ausgiebiger Spaziergang in der frischen Herbstluft und die gemütlichen Abende brachten Leichtigkeit und Fröhlichkeit. Unterschiedliche Menschen begegneten sich. Ein „gestandener Geschäftsmann“ führte tief gehende Gespräche mit einem Jugendlichen, dem er wegen seiner punkigen Frisur und seines äußeren Erscheinungsbildes unter „normalen Umständen“ wohl mit Vorbehalt begegnet wäre. Gerade die Vielzahl der Gespräche war sehr bereichernd. Wir nehmen vieles mit in unseren Alltag. Ullrich Kleinraths „Farben“ machen unseren Alltag bunter. Monika Jamnigs Angebote für die Kinder fanden Begeisterung. Alfred Länglers Offenheit machte Mut. Wir haben neuen Mut, uns unserem Alltag zu stellen. Mut, den wir allen anderen betroffenen Familien weiter geben wollen. Mut, sich auf ein besonderes Wochenende einzulassen. Mut, anderen Familien mit dem gleichen Schicksal zu begegnen. Mut, sich zu öffnen. Mut, sich mitzuteilen. Wir begegnen mit neuem Mut unseren Kindern, die jetzt woanders sind – wir sehen sie in allen Farben des Regenbogens. Wir kommen gerne wieder. Danke für dieses schöne Wochenende.

Betty Trebbau und Hedy Pollmann-Lünenschloß hatten den Mut, das Erlebte zu berichten.


Sie sind Besucher